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Kaiser Wilhelm

Apfel
Standort L6: Kaiser Wilhelm

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Synonyme:
„Wilhelmapfel“ (DDR); dieses Synonym setzt sich in der damaligen DDR erst zögernd im Zuge der sozialistischen Umbenennung von Obstsorten mit Adelsnamen durch.

Geschichte:
Der pomologisch sehr interessierte Direktor des Bergischen Obstbauvereins „Hauptlehrer“ Hesselmann, entdeckte diese Sorte 1864 im Gutsgarten von Haus Bürgel im Kreis Solingen. Der schon staatliche Mutterbaum vieler tausend Nachkommen war wohl schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden und soll 1847 bereits 600 Kilogramm Äpfel getragen haben. Anfangs wurden diese Früchte jedoch noch für identisch mit der ebenfalls westfälischen Sorte „Harberts Renette“ gehalten, später vermutete man dann einen ihr ähnlichen, frühen Sämling. Hesselmann, der über ein großes Sortiment von je über 100 Äpfeln und Birnen verfügte, stellte sie 1877 bei der 8. Versammlung deutscher Pomologen in Potsdam vor. Zuerst beschrieben wurden sie jedoch schon von Engelbrecht, der sie auch „Kaiser Wilhelm“ nannte, nach dem wenige Jahre zuvor in Versailles zum Kaiser Wilhelm I. gekrönten preußischen König Wilhelm. Lauche, ein Patriot und Leiter der vom preußischen Staat finanzierten königlichen Gärtner- Lehranstalt in Potsdam, beschrieb sie gleich dreimal in seinen Veröffentlichungen und bildete sie sogar als eine von 100 ausgesuchten Apfelsorten 1882 in seiner „Deutschen Pomologie“ farbig ab.
Doch es vergingen noch 16 Jahre, bis sie 1998 in den „Pomologischen Monatsheften“ einer breiteren von Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Anfang des 20.Jahrhunderts war sie dann so verbreitet, dass sie neben solch bekannten Sorten wie „Goldrenette von Blenheim“ und „Klarapfel“ als eine von 105 Apfelsorten in die bekannteste deutsche Pomologie „Deutschlands Obstsorten“, aufgenommen wurde.

Verbreitung:
Eine der häufigsten Apfelsorten in Streuobstbeständen; überall in Deutschland verbreitet; von Baumschulen wegen des starken Wuchses gerne vermehrt.

Pflückreife:
Anfang bis Mitte Oktober

Genussreife:
November bis März

Fruchtbeschreibung:

Größe:
mittelgroß bis groß

Form:
rundlich, mittelbauchig, Seiten ebenmäßig

Schale:
glatt, trocken, mittelfest, mittlere Druckfestigkeit, Schalenpunkte groß, rostfarben, in der ganzen Frucht verteilt.

Grundfarbe:
grüngelb bis gelb, je nach Reife.

Deckfarbe:
purpurrot bis trüb rot, flächig, auch streifig, ½ bis 1

Kelchgrube:
flach bis mitteltief, weit, umgeben von flachen Erhabenheiten.

Kelch:
groß, meist offen bis weit offen, mit kurzen, breiten, am Grunde getrennten Kelchblätter.

Stielgrube:
eng bis mittelweit, tief, trichterförmig, unregelmäßig, mit typisch großem, strahlenförmigem, braunem Rostklecks.

Kelchhöhle:
breit, stumpfkegelförmig .

Kernhaus:
ziemlich klein, mittelständig, variabel, geschlossen.

© Herausgeber: Norbert Lemb, Redaktion: Dr. Norbert Clement, Steffen Kahl, 1998 NZH Verlag, Naturschutz-Zentrum Hessen Projekt GmbH, Friedensstr. 25, 35578 Wetzlar.

Wikipedia Kaiser Wilhelm (Apfel)