Aligse - Landgasthaus, Peiner Heerstraße

Aligse

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Aligser Eck

Das langgezogene Fachwerkhaus mit seinen weißen Gefachen, an der Kreuzung Peiner Heerstraße – Aligser Dorfstraße, wird in unserer Ortschaft -Aligser Eck- genannt. Diesen Brinksitzerhof müssen wir uns bis ins Jahr 1889 hinein als Einzelhaus ohne den Saalanbau vorstellen.

Erstmals erwähnt wird die Hofstelle 24 im Register der Familiennamen Aligser Höfe im Jahr 1564 mit den verschiedenen Schreibweisen der Namen, von Dam bis Damtilen. Kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges erging ein Befehl vom Herzog in Celle an alle Ämter in seinem Fürstentum, ein Register seiner bäuerlichen Untertanen anzulegen. Im Februar 1618 befragt der Amtsschreiber aus Burgdorf den Besitzer des Hofes 24 Hanß Damtilen. Dieser sagt, “seine Koterey sei Erbguth, habe dieselben Erbes Kauffs gekaufft und sei vor vielen verfloßenen Jahren von Heneken Damtilen Kothoffe (19) abgebaut, dienet nymants und gibt auch nymants. Es sollen vier Morgen Landes dabei gekauffen sein, sunsten gehorrt nichts dartzu.“

Die Besitzer der Brinksitzerstelle 24 waren bis ins Jahr 1661 Familien mit den Namen Damtilen und deren verschiedene Schreibweisen. Dann bis 1679 Fam. Schneehagen, danach bis ins Jahr 1705 Fam. Dralle. Ab 1705 finden wir die Namen Vatthauer oder Fatthauer bis zur Hofaufgabe im Jahr 1886. Der Zimmermann Heinrich Fatthauer ersucht im Jahr 1889 um Erlaubnis zum Betrieb einer Gastwirtschaft: „Den verehrlichen Kreisausschuß bitte ich ganz gehorsamst, mir zum Betrieb einer Gast- und Schenkwirtschaft auf meinem Grundstücke, Hausnummer 24 in Aligse, vom 1. April d. Js. ab, die erforderliche Concession geneigtest ertheilen zu wollen. Zur Unterstützung meines Gesuchs möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß der Gastwirt Heinrich Könnecke (Hof 13) hierselbst sich mir – auch dem Königlichen Herrn Landrath Lübbes – gegenüber erklärt hat, zu meinen Gunsten den Betrieb seiner Gastwirtschaft mit dem gedachten Zeitpunkte eventuell einzustellen“. Nach Erhalt der Konzession wurden zwei Dachkammern als Fremdenzimmer ausgebaut, in der Scheune Stellplätze für vier Pferde geschaffen und ein langgezogener Saal im Winkel zum Wirtsgebäude aufgebaut, den es heute noch gibt. Nach dem Tot von Heinrich Fatthauer übernahm der Schwiegersohn Albert Abmeier die Gastwirtschaft. Die Ehe der Abmeiers blieb kinderlos, das Erbe trat die Verwandte Rosemarie Rogge, geb. Meinecke, vom Hof 11 an. Ab dieser Zeit waren alle weiteren Betreiber der Gastwirtschaft Pächter. Die beiden Schwestern Abmeier führten den Ausschank weiter. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Saal als Schlafsaal für kriegsgefangene Franzosen und Belgier zweckentfremdet, die tagsüber in den Betrieben oder auf den Höfen der Bauern der Ortschaft arbeiteten. Darin schliefen bis zu 70 Männer in aufgereihten, eisernen Etagenbetten.

Nach dem Krieg zogen kurzfristig die Schule und der Kindergarten in den langen Saal ein, der Kindergarten blieb bis Ende 1947. Zum Mittagschlaf nutzten die Kinder weiterhin die Etagenbetten und zum Waschen die noch vorhandenen Waschschüsseln auf Metallgestängen. Am Ende des Saals, auf der Seite zur Peiner Heerstraße, unterhielten die Friseure Könnecke und Angermann einen Friseursalon, der von dem Saal abgetrennt war und von der ersten Eingangstür aus betreten werden konnte. Der Ausschankbetrieb wurde bis 1959 nicht in dem Wirtshaus weitergeführt, sondern auf dem freien Platz vor den Gebäuden. In dem kleinen Wiegehaus der Schweinewaage, einem quadratischen Gartenhaus, betrieb Luci Kurtze zusammen mit Herbert Graef einen gut laufenden Ausschank. Man traf sich „bei Luci“. Der leere Saal wurde als Vorratsraum für die Bierlieferungen genutzt. Luci hatte 1954 schon einen, damals noch sehr kleinen Fernsehapparat. Zur Fußballweltmeisterschaft in dem Jahr stand der Fernseher auf mehreren, übereinander gestellten Kisten im Saal, die vielen Gäste saßen auf den Bierkisten vor dem Apparat und verfolgten die übertragenen Spiele. Dieses enge Provisorium endete mit dem Abriss des Häuschens Ende 1959. Luci zog mit ihrem Ausschank in das Gastwirtschaftsgebäude, der Saal blieb weiter das Bierlager. Später betrieb das Ehepaar Schulze am zweiten Seiteneingang des Saals einen kleinen Kiosk mit Zigarettenverkauf und Lottoannahme. Ab 1961 pachtete Günter Böhm die gesamte Wirtschaft. Er richtete im Saal ein Schützenheim und ein Luftgewehr-Schießstand für die Aligser Schützen ein. Der nächste Pächter war Erwin Aue. Renate Reinhart übernahm von 1979 bis 1993 den Gastwirtschaftsteil, der Saal wurde weiter von den Schützen genutzt. Als 1991 das neuerrichtete Schützen- und Sportheim neben dem Auestadion eingeweiht wurde, zogen die Schützen um und der Saal stand wieder leer. Ab 1993, jetzt H. Fenske neuer Besitzer, übernahm Inge Schild den Gastwirtschaftsbetrieb, baute den Saal aus und betrieb bis 2010 die gesamte Einheit als Restaurant, Cafe´ und Eventgastronomie. Kurt Bursch als neuer Besitzer verpachtete den Betrieb an den Koch Thomas Gessner, der die Gastwirtschaft bis Anfang Dezember 2018 weiterführte und dann aufgab.

Quelle: Bis 1910, Aligse, Geschichte im Spiegel eines niedersächsischen Dorfes, Otto Garms, danach Manfred Fehlauer.

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