Kümmel

Carum carvi

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Arzneipflanze des Jahres 2016

Echter Kümmel, Feldkümmel, Wiesenkümmel, gemeiner Kümmel, Karve, Kramkümmel

Der Kümmel ist eine zweijährige bis 1 m hohe Pflanze mit spindelförmiger Wurzel aus der Familie der Doldengewächse (Apiaceae). Er kommt wild wachsend in Europa und Asien, auch in Afrika und Nordamerika vor, und bevorzugt sonnige Standorte auf Wiesen und an Wegrändern. Für den arzneilichen Gebrauch wird er in Kulturen angebaut, z.B. in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Ägypten.

Im zweiten Vegetationsjahr treibt die Pflanze einen aufrechten, kantigen und verzweigten Stängel mit fiederteiligen Blättern. Die Blüten sind weiß-rosa, stehen in 8 -16 teiligen Dolden, duften intensiv und locken zahlreiche Insekten an. Blütezeit: Mai bis Juli. Aus den Blüten entstehen braune Früchte, die nach der Reife in zwei sichelförmig gebogene Teilfrüchte zerfallen. Sie dienen vorwiegend als Gewürz, werden aber auch arzneilich genutzt.

Verwendete Pflanzenteile: Die Früchte und das daraus hergestellte Öl

Inhaltsstoffe:

Ätherisches Öl (3 – 7%), dessen geruchsbestimmender Bestandteil das Carvon ist, fettes Öl, Flavonoide

Heilwirkung:

Das ätherische Öl regt die Bildung von Magensaft und Gallensekret an, entspannt die Muskulatur im Verdauungstrakt und wirkt Blähungen und Völlegefühl entgegen. Es wirkt auch antibakteriell und bekämpft mögliche Krankheitserreger. Kümmel ist bereits für Säuglinge und Kleinkinder geeignet, Koliken und Blähungen werden gemildert.

Kümmelfrüchte werden allein oder mit anderen Drogen (Pfefferminze, Kamille oder Fenchel und Anis)) verwendet. Damit sich das ätherische Öl bei Teezubereitungen im Wasser lösen kann, müssen Kümmelfrüchte vor der Verwendung angestoßen werden.

Das Kauen von Kümmelfrüchten kann gegen Mundgeruch helfen.

In der Volksmedizin werden Kümmelfrüchte auch zur Förderung der Muttermilch empfohlen.

Nebenwirkungen: Nicht bekannt; Menschen, die überempfindlich auf Doldengewächse reagieren (Petersilie, Möhren, Sellerie) sollten Vorsicht walten lassen.

Geschichtliches:

Kümmel ist eines der ältesten Gewürze der Welt. In der Antike bezog sich der Name kymion auf den nahe verwandten Kreuzkümmel (Cuminum cyminum). Dessen Name wurde auf den heimischen Wiesenkümmel übertragen. Kreuzkümmel sieht dem Wiesenkümmel ähnlich, hat aber einen völlig anderen Geschmack. Seine Früchte schmecken schärfer als die des Wiesenkümmels. Beide Arten enthalten ein ähnlich wirkendes ätherisches Öl, das die Heilwirkung bestimmt. Wegen seiner großen Würzkraft wird der Kreuzkümmel gern in den Küchen Asiens und Nordafrikas verwendet.

Im Mittelalter wurde nicht deutlich zwischen beiden Kümmelsorten unterschieden.

Bereits im Capitulare des villis Karls des Großen wurde der Anbau von Kümmel verordnet.

Ein Beutel mit Kümmelfrüchten – als Talismann getragen - diente früher als „Liebesmitttel“ um einen neuen Partner kennenzulernen.

Kinder bekamen Kümmel in die Wiege gelegt, damit sie gegen „Behexung“ geschützt waren.

In der russischen Volksheilkunde glaubte man Trinker von ihrer Sucht heilen zu können, wenn man ihnen große Mengen heißes Kümmelwasser (50 Gramm Kümmel auf 1Liter Wasser) zu trinken gab, was zum Erbrechen führte.

Als „Kümmeltürken“ wurden im 18.Jahrhundert Studenten der Universität Halle bezeichnet, die aus dem Saalekreis stammten, also aus der näheren Umgebung der Universität. In dieser Gegend wurde damals viel Kümmel angebaut und man nannte den Landstrich scherzhaft „Kümmeltürkei“. Kümmeltürke wurde als Schimpfwort verwendet um jemanden als Spießbürger zu kennzeichnen.

Pflanzenfamilie: Doldenblütler Apiaceae
Anwendungsbereich: Verdauungsbeschwerden, Gewürz
Blütenfarbe: weiß, rot
Giftigkeit: ungiftig
Lebensdauer: zweijährig