Kartoffel

Solanum tuberosum

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  • © AK Natur Stadtmarketing Lehrte
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Erdapfel, Erdbirne, Grundbirne, Toffeln, Mäusle, Erdtuffeln, Kantüffeln

Wegen der Ähnlichkeit der Knollen mit Trüffeln entstand bei den Italienern aus dem Wort „tartufo“ (Trüffel) der Name Tartuffel mit seinen verschiedenen Ableitungen. „Tuberosus“ heißt knollig.

Die Kartoffel ist eine Nutzpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch Tomate, Tabak und Paprika gehören. Sie stammt aus Südamerika und wächst auf nahezu allen Standorten, bevorzugt aber lockeren Untergrund ohne Staunässe. Weltweit gibt es etwa 5000 Kartoffelsorten. In Deutschland sind etwa 180 Sorten, die beim Bundessortenamt in Hannover registriert sind, zum Anbau zugelassen. Sie unterliegen für 30 Jahre einem Sortenschutz.

Ab 8° Celsius können die Knollen ins Freie gesetzt werden. Es bilden sich Wurzeln und unterirdische Ausläufer, an deren Enden sich die neuen Knollen bilden. Die Pflanze wächst aufrecht und kann Wuchshöhen bis zu 1m erreichen. Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Die Blüten sind weiß oder lila und stehen in trugdoldenförmigen Blütenständen, die Blütenblätter sind miteinander verwachsen. Die Staubblätter neigen sich kegelförmig nach oben. Aus den Blüten entwickeln sich kirschgroße grüne fleischige Beeren, die ähnlich wie Tomaten aussehen. Sie enthalten in zwei Kammern zahlreiche Samen. Alle grünen Teile der Pflanze sind leicht giftig.

Verwendete Pflanzenteile: Knollen

Inhaltsstoffe:

Stärke (Kartoffelstärke) ca. 20%, die durch Ausschlämmen gewonnen wird, Vitamine B und C, Kalium, Kalzium, Magnesium, Solanin

Heilwirkung:

Kartoffelstärke ist ein geruch- und geschmackloses weißes Pulver, das beim Zerreiben knirscht. In der Pharmazie wird es als Grundlage für Salben, Tabletten und Puder, dem verschiedene Substanzen zugesetzt werden können, verwendet. Sie wirkt kühlend und reizlindernd. Außerdem wird die Kartoffelstärke in der Nahrungsmittelindustrie verarbeitet.

Volksheilkundlich wird der Presssaft der frischen Knollen zur Säurebindung bei Magenreizung und Sodbrennen verwendet. Bei Rheuma und Gicht werden Umschläge aus Kartoffelbrei und Einreibungen mit frischem Kartoffelsaft empfohlen, heiße Packungen mit Kartoffeln bei Bronchitis und anderen Schmerzen.

Nebenwirkungen:

Wenn grüne (giftige) Pflanzenteile verzehrt werden, kann es wegen des Solaningehalts zu Magen-Darmstörungen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch Pupillenerweiterung, Krämpfe und Schwindel können auftreten. Ärztliche Behandlung ist geboten.

Der Solaningehalt war früher aber höher als heute. Heutige Sorten enthalten etwa 3 bis 7 mg auf 100 g. Vergiftungserscheinungen treten erst nach dem Verzehr von 260 mg Solanin aus der Nahrung auf (ca. 3 bis 7 kg ungeschälte Kartoffeln).

Geschichtliches:

Die Kartoffel stammt ursprünglich aus Südamerika, wo sie in den Anden Perus, Boliviens und Chiles kultiviert wurde. Um 1560 kamen die ersten Kartoffeln nach Spanien.1588 wurden die ersten Knollen im Botanischen Garten in Frankfurt/Main gepflanzt. Wegen der Blüten wurde die Kartoffel aber zunächst nur als Zierpflanze in fürstlichen Lustgärten verwendet.

Im 30jährigen Krieg wurde sie zum Nahrungsmittel der einfachen Leute, aber erst im 18. Jahrhundert hat sich der Anbau der Kartoffel in Deutschland in größerem Umfang durchsetzen können, weil sich mit Kartoffeln bei geringerem Arbeitsaufwand pro Anbaufläche mehr Nährwert und Menge erzielen ließ als bei Getreide.

Ludwig XVI. versuchte durch Antoine Parmentier seinen Untertanen die Kartoffel als Grundnahrungsmittel zu empfehlen, aber das Volk wollte nichts davon wissen. Er ließ Kartoffelfelder anlegen und tagsüber bewachen. Am Abend, wenn sich die Wachen zurückzogen, wurden die Felder geplündert. Das genau war aber beabsichtigt.

Friedrich der Große ging weniger raffiniert vor. Er erkannte den Nutzen der Kartoffel, ordnete 1756 den Anbau an und belegte gleichzeitig das Mehl mit hohen Steuern. So ging der Verbrauch an Getreide zwischen 1690 und 1790 um die Hälfte zurück.

Bereits im 18. Jahrhundert wurden die Pommes frites in Paris erfunden. Sie galten lange als „vornehm“. Kartoffelchips wurden durch Zufall erfunden, weil ein Gast in Amerika sich Pommes bestellt hatte, diese aber als zu dick empfand und zurückgehen ließ. So hobelte der Koch in einem Nobelhotel in Saratoga Springs in New York die Kartoffeln in so dünne Scheiben, dass der Gast sie nicht mehr auf die Gabel spießen konnte. Dennoch war er nun zufrieden, und bald darauf wurden die „Saratoga Chips“ zur Spezialität des Hauses.

Heute hat jede Region ihre eigene Kartoffelspezialität: Rösti in der Schweiz, Klöße in Thüringen, Baked Potatoes in Amerika.

2008 war laut UN-Deklaration das Internationale Jahr der Kartoffel, um das Bewusstsein für die Bedeutung als Nahrungsmittel zu steigern. 60% der Ernte werden als Nahrungsmittel verwendet, 30% zur Herstellung von Stärke, 6% als Saatgut, 4% zur Ethanolgewinnung und nur 1,2% als Futtermittel.

Jugendliche, die - vor dem Fernseher hockend – Kartoffelchips in größeren Mengen verzehren, nennt man in den USA „couch potatoes“. Kartoffeln selbst machen aber nicht dick, sondern sind gut für die schlanke Linie.

© AK Natur Stadtmarketing Lehrte
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Pflanzenfamilie: Nachtschattengewächse Solanaceae
Anwendungsbereich: Magenerkrankungen, Nahrungsmittel
Blütenfarbe: weiß, lila
Giftigkeit: schwach giftig
Lebensdauer: einjährig