Schwarzer Holunder

Sambucus nigra

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Holder, Holler, Schwarzholder, Deutscher Flieder, Elderbaum, Schwitztee

Der Holunder ist ein kleiner Baum oder Strauch, der 3 bis 7 m hoch wird, aus der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Er ist in Europa, Westasien und Nordafrika heimisch, stellt an die Bodenbeschaffenheit keine besonderen Ansprüche und wächst weit verbreitet in Gebüschen und an Wegrändern, in ländlichen Gegenden auch gern in der Nähe von Ställen und Scheunen.

Die unangenehm riechende Rinde des Stamms und die der älteren Zweige ist graubraun und rissig. Jüngere Zweige sind grün mit zahlreichen grauen Punkten (Lentizellen). In den Ästen und Zweigen ist ein weißes weiches Mark enthalten. Die unpaarig gefiederten Blätter haben einen gesägten Rand. Die weiß-gelben Blüten, die ebenfalls unangenehm riechen, stehen in großen schirmförmigen Blütenständen.

Blütezeit: Juni, Juli

Aus ihnen entwickeln sich anfangs grüne, später schwarze, glänzende saftige Beeren, die roh schwach giftig sind.

Der Holunder vereint viele Gegensätze in sich:

Die Blüten sind weiß – die Früchte schwarz.

Rohe und unreife Beeren sind giftig – gekochte Beeren heilen.

Der Baum ist schwer – sein Holz ist leicht und luftig.

Verwendete Pflanzenteile:

Blüten, Blätter, Rinde und Früchte

Inhaltsstoffe:

Blüten und Blätter: ätherische Öle, schweißreibende Glykoside, Flavonoide, Gerbstoffe, Schleim

Rinde: Gerbstoffe, Spuren von ätherischem Öl, Flavonoide

Früchte: Flavonoide, ätherisches Öl, Vitamine, Mineralien, Blausäureglykosid Sambunigrin, das durch Erhitzen unschädlich wird

Heilwirkung:

Die Holunderblüten werden als schweißtreibendes Mittel (Schwitztee), allein oder in Kombination mit Lindenblüten, Hagebutten oder Süßholz bei fieberhaften Erkältungskrankheiten verwendet. Auch die Blätter wurden so genutzt.

Die Rinde wurde früher bei rheumatischen Beschwerden und als harntreibendes Mittel verwendet. Die Früchte oder der Saft der Früchte wirken mild abführend und werden bei Verstopfung und zur Anregung der Harnausscheidung verwendet.

Geschichtliches:

Der Holunder ist bereits seit prähistorischen Zeiten als Nahrungsmittel und Heilpflanze bekannt.

Die antiken Heilkundigen (Dioskurides, Plinius) erwähnen ihn mit großem Lob.

Der Name Holunder soll aus dem Althochdeutschen „holan-tar“ (hohler Baum) abgeleitet sein, wegen der leichten Marks und der Zweige, die vertrocknet hohl werden.

Der Name „Flieder“ hat nichts mit dem Zierstrauch (Syringa vulgaris), der zu den Ölbaumgewächsen (Oleaceae) gehört, zu tun. Dieser wurde erst im 16. Jahrhundert aus Konstantinopel eingeführt.

Die alten Germanen und Slawen verehrten die Liebesgöttin Freya in seinen Zweigen.

Man glaubte, dass man ihn nicht pflanzen müsste, die Göttin selbst würde den besten Platz für einen jungen Busch finden – irgendwo in der Nähe der Menschen. Deshalb wagte man es auch nicht, ihn achtlos zu stutzen, oder sein Holz zu verbrennen. Man war sicher, dass die in dem Baum wohnenden Kräfte auf den Frevler übergingen und ihm Unglück bringen würden. Vor einem derart mächtigen Baum haben sich die Bauern verbeugt oder ehrerbietig den Hut gezogen. War es aber erforderlich den Baum zu entfernen, musste man vor ihm in die Knie gehen und beten.

Frau Holle als guter Schutzgeist lebte in den Zweigen des Holunderbuschs. Sie schützte das Leben der Pflanzen und Tiere, schützte vor Feuer, Seuchen und jeglichem Unheil und schaute jeden Abend durchs Fenster um zu prüfen, ob alles in Ordnung war. Der Holunderbusch beherbergte auch die guten Hausgeister und nahm den Kindern die Alpträume.

Man glaubte auch, dass der Baum negative Energien unschädlich macht und den Menschen Krankheiten abnehmen könnte. Deshalb hängte man ihm alle möglichen Leiden an. Bei Fieber ging man zu ihm, band einen Bindfaden um den Stamm und murmelte vielleicht folgenden Zauberspruch:

Guten Tag, Flieder,

ich bring dir mein Fieber,

ich binde es an

nun geh ich in Gottes Namen davon.

In unsicheren Zeiten wurde der Holunder als „Schatzhüter“ vor plündernden Horden genutzt. Man vergrub Schmuck oder Münzen unter dem Strauch und hackte danach die Äste ab. Wenn die Bewohner irgendwann später zurückkehrten, konnten sie die Stelle, wo sie graben mussten, leicht ausmachen, weil der Holunder wieder frisch ausgetrieben hatte.

Der Holunder wurde auch als Totenbaum angesehen. Mit einem abgeschnittenen Ast wurde das Längenmaß des Verstorbenen genommen, statt der Peitsche nahm der Kutscher auf der Fahrt zum Friedhof einen Holunderstock.

In der Oper „Hänsel und Gretel“ wird ein Holunderzweig als Zauberstab genutzt.

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Pflanzenfamilie: Geißblattgewächse Caprifoliaceae
Anwendungsbereich: Erkältungskrankheiten
Blütenfarbe: weiß
Giftigkeit: schwach giftig
Lebensdauer: ausdauernd