Herzgespann

Leonurus cardiaca

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Herzgold, Bärenschweif, Herzkraut, Herzspannkraut, Herzheil, Engeltrank, Löwenschwanz, Mutterwurz, wildes Mutterkraut

Das Herzgespann ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Es ist in Mitteleuropa bis Ostasien heimisch, nach Nordamerika eingeschleppt und gedeiht besonders auf stickstoffreichen Lehm- oder Tonböden. Früher wurde das Herzgespann als Zier- und Nutzpflanze in den Bauern- und Klostergärten angepflanzt. Von dort her ist es verwildert. Es folgt der menschlichen Besiedlung und wächst häufig an Mauern, Zäunen und Unkrautstellen.

Aus einem kurzen verholzten Wurzelstock treibt die Pflanze mehrere aufrechte vierkantige Stängel, die Wuchshöhen von 30 bis 150 cm erreichen. Sie sind oft rot-violett gefärbt, innen hohl und außen behaart. Die unteren weich behaarten Blätter sind handförmig, 3 bis 7spaltig und 7 -14 cm lang, die oberen nur dreilappig. Sie wachsen kreuzgegenständig an kurzen Stielen, laufen am Ende spitz zu und hängen etwas herab. Die schmutzig-rosa gefärbten Blüten sind in Scheinquirlen angeordnet. Die Oberlippe ist helmförmig gebogen und außen behaart. Die Unterlippe ist dreigeteilt.

Blütezeit: Juni bis September

Sie wird von zahlreichen Insekten besucht, vor allem von Bienen. Nach der Blüte bilden sich braune dreikantige bis zu 3 mm lange Früchte, die an ihrer Spitze einen Haarschopf tragen.

Die Pflanze riecht unangenehm und ist streng geschützt.

Verwendete Pflanzenteile: Das frische, zur Blütezeit gesammelte Kraut

Inhaltsstoffe: Glykoside, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Alkaloide, ätherisches Öl

Heilwirkung:

Herzgespann wird nur bei funktionellen Herzbeschwerden eingesetzt. Es wirkt ausgleichend und schwach blutdrucksenkend, leicht beruhigend und entkrampfend. Es senkt die Herzfrequenz, verbessert die Durchblutung und stärkt das Herz. Deshalb wird das Kraut in der Volksheilkunde in Fertigpräparaten (z.B. Biovital) oder Teemischungen (in Kombination mit Weißdorn, Melisse oder Baldrian) bei nervösen und funktionellen Herzbeschwerden, bei Herzschwäche, Beklemmungen, Herzrasen durch Stress und Aufregung und Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Wichtig ist aber, dass eine ernsthafte Herzerkrankung ausgeschlossen wurde.

Auch als Tonikum bei Beschwerden in den Wechseljahren und zur Förderung der Menstruation kann Herzgespann eingesetzt werden.

Nebenwirkungen:

Nicht bekannt; da die Gebärmutter angeregt wird, sollte die Pflanze in der Schwangerschaft nicht verwendet werden.

Geschichtliches:

Der Gattungsname leitet sich ab vom griechischen leon (Löwe) und ura (Schwanz).

Der Name cardiaca (Kardia = Herz) wurde bereits bei Theophrast (griechischer Philosoph im 3. vorchristlichen Jahrhundert) gebraucht. Auch bei Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) und in den Kräuterbüchern des Mittelalters wird die Pflanze beschrieben. Dort wurde sie als Mittel gegen Herz- und Atembeschwerden, bei Engbrüstigkeit, Magendrücken, aber auch als Harn treibendes und die Menstruation förderndes Mittel benannt.

Im Sprachgebrauch des Mittelalters bedeutete „Gespann“ so viel wie Krampf. Darin zeigt sich die Wertschätzung der Pflanze für ihre krampflösende Wirkung.

Im 20. Jahrhundert wurde die Pflanze erforscht und die Wirkung auf zu niedrigen Blutdruck und das Zusammenziehen der Gebärmutter nachgewiesen. Es ist aber noch nicht bekannt, wie die Inhaltsstoffe zusammenwirken. Die Wirkung gilt aber als gesichert.

Das Kraut (frisch oder getrocknet) soll zum Würzen von Linsen- oder Erbsensuppe dienen können. Früher wurde es auch zum Würzen des Biers verwendet.

Pflanzenfamilie: Lippenblütler Lamiaceae
Anwendungsbereich: Herzerkrankungen, Wechseljahrsbeschwerden
Blütenfarbe: rosa
Giftigkeit: ungiftig
Lebensdauer: ausdauernd