Gundelrebe, Gundermann

Glechoma hederacea

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Erdefeu, Zickelskräutlein, Blauhuder, Donnerrebe, Zaungucker, Heilreif, Grundrebe, Gartenhopfen

Der Gundermann ist eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae). Er kommt vor allem in Europa und Nordasien vor. Er bildet vierkantige Stängel aus, die auch im Winter belaubt sind. Sie liegen am Boden an und wurzeln an den Knoten der Stängel. Gundermann bildet oberirdische bis 1 m lange beblätterte Ausläufer. Die gegenständigen Blätter sind nierenförmig und am Rand gekerbt. Die Unterseite ist oft rotviolett überlaufen. Die Blüten sind blauviolett und stehen meist zu mehreren in den Achseln der Laubblätter. Blütezeit: April bis Juni. Die Pflanze benötigt reichlich Feuchtigkeit um gedeihen zu können. Er wächst gern in der Nähe menschlicher Behausungen, wurde aber nie als Kulturpflanze gezogen. Gundermann schmeckt schwach bitter. Wenn man ein Blatt zwischen den Fingern zerreibt, entsteht ein herb-würziger Duft und die Finger fühlen sich schmierig an. Das kommt von dem in den Blättern enthaltenen Öl, das auch die Heilung von Haut fördert.

Verwendete Pflanzenteile: Das blühende Kraut

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, ätherisches Öl, Bitterstoff Glechomin, Saponine

Heilwirkung: Auf Grund der Saponine und des ätherischen Öls wirkt Gundermann schleimlösend und erleichtert das Abhusten. Die Bitterstoffe regen die Magensaftbildung an. Gundermann wird nur volksmedizinisch bei Magen-Darmstörungen, bei Husten und schlecht heilenden Wunden angewendet.

Nebenwirkungen: Die Pflanze ist für viele Säugetiere giftig, besonders für Pferde und Nagetiere. Vergiftungen bei Menschen sind nicht bekannt.

Geschichtliches: Der Gattungsname ist vom griechischen glechon, dem antiken Namen für Poleiminze abgeleitet. Die efeuähnlichen Blätter haben zum Artnamen hedera (Efeu) geführt. Das althochdeutsche „gundereba“ könnte von „gund“ = Eiter, Geschwür abgeleitet sein und auf die frühere Verwendung hinweisen.

Gundermann war eine alte germanische Arznei- und Zauberpflanze, die vor schlechten Einflüssen und vor zehrenden Krankheiten schützte. Er gab Kraft zur Gesundung und wurde bei Erkrankungen der Atem- und Verdauungswege eingesetzt. Er gehörte auch zu den guten Pflanzengeistern, die gegen Viehzauber wirken würde. So wurde die erste Milch des Jahres durch einen Kranz aus Gundermann gemolken. Im Mittelalter glaubte man auch, dass ein in der Walpurgisnacht geflochtener Kranz aus Gundermann hellsichtig machen und gegen Hexen und die Pest wirken würde.

Gundermann galt als Frauenpflanze. Er sollte die Menstruation fördern, selbst wenn nur ein Blatt in den Händen oder im Schuh getragen würde.

Gundermann gehörte zu den sieben (mancherorts neun) Kräutern des Gründonnerstags und wurde auch wie Waldmeister zum Maitrank verwendet. Durch den Verzehr von bestimmten Kraftpflanzen des Frühlings wollte man sich neue Kraft einverleiben.

Die meisten Haustiere mögen den Geschmack des Gundermanns nicht, Ziegen aber fressen auch würzige, ölhaltige Pflanzen.

Die Gundermannpflanze war der Ziegengöttin Freya und dem Donnergott Thor gewidmet. Die Ziege ist die Göttin in Tiergestalt und galt als das Tier, das die angenehme Jahreszeit wiederbringt und Wiesen und Felder wieder grün werden lässt. Der Bock galt auch als das Symbol der Fruchtbarkeit und der überschäumenden Lebenskraft. Thor braust in einem Wagen daher, der von zwei Ziegenböcken gezogen wird. Er ist auch der Schirmherr des Bieres und der Bierkräuter. Diese nutzte man um das Bier zu klären, zu würzen oder haltbar zu machen. Hopfen, der dem heutigen Bier seinen Geschmack verleiht, wurde erst später verwendet. Mit dem Reinheitsgebot von 1516, nach dem nur noch Gerstenmalz, Hopfen und Wasser verwendet werden durften, verschwanden die althergebrachten Bierkräuter – auch der Gundermann.

Pflanzenfamilie: Lippenblütler Lamiaceae
Anwendungsbereich: Atemwegserkrankungen, Verdauungsbeschwerden
Blütenfarbe: blau
Giftigkeit: ungiftig
Lebensdauer: ausdauernd