Efeu

Hedera helix

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Arzneipflanze des Jahres 2010

Mauerranke, Immergrün, Totenranke, Baumtod, Eppich, Mauerewig, Hühneraugenkraut, Adamsblätter, Poetenkraut, Wintergrün

Der Efeu ist weder Kraut noch Baum, sondern ein kriechendes oder mit Haftwurzeln kletterndes Holzgewächs aus der Familie der Araliengewächse (Araliaceae), das bis zu 500 Jahre alt werden und einen Stammumfang bis zu einem Meter hervorbringen kann. Er ist die einzige heimische Art der Araliengewächse und in ganz Europa heimisch. Die Pflanze wächst zunächst auf der Erde, klettert aber – wenn möglich – an Bäumen oder Hauswänden empor und kann dabei Höhen bis zu 30 m erreichen. (Die zunehmende Kletterform soll ein Hinweis auf die Klimaveränderung mit milden Wintern sein.) Er hält sich mit Haftwurzeln, die keine Nährstoffe aufnehmen, fest. Starker Bewuchs entzieht dem Baum, an dem Efeu emporrankt, Licht und beeinträchtigt seine Entwicklung. Das Gewicht einer Efeupflanze kann so groß werden, dass der Baum abstirbt. Im Wald breitet sich Efeu auch auf dem Boden aus und bildet dann richtige Wurzeln. Efeu ist ein „Lichtflüchter“, seine Triebe wachsen ins Dunkel hinein. Wenn die Pflanze auf ein Hindernis trifft und nach oben wachsen muss, zeigen die Spitzen der Blätter stets nach unten.

Die zuerst erscheinenden „juvenilen“ Blätter sind ledrig, dunkelgrün und 3- bis 5lappig. An den Blühtrieben befinden sich „adulte“, ganzrandige rautenförmige Blätter. Diese erscheinen erst nach frühestens 7 Jahren. Mit dem Übergang in die Blühphase sind die Blätter nicht mehr zweizeilig sondern spiralig angeordnet. Die gelb-grünen meist zwittrigen fünfzähligen Blüten stehen in einfachen Dolden. Sie produzieren reichlich Nektar und werden von Bienen, Schmetterlingen, Wespen und Schwebfliegen besucht.

Blütezeit: August bis Oktober

Die erbsengroßen, bitteren Früchte sind zunächst grün. Sie reifen über den Winter und sehen dann blauschwarz aus. Sie sind – wie auch alle anderen Teile der Pflanze – giftig für Menschen, Hunde, Katzen und Pferde. Sie sind aber willkommene Nahrung für Amsel, Drossel und Rotschwanz.

Verwendete Pflanzenteile: Die getrockneten Laubblätter

Inhaltsstoffe: Saponine, Flavonoide, Jod, ätherisches Öl

Heilwirkung:

Die Flavonoide wirken sekret- und krampflösend, die Saponine auswurffördernd. Das Hedera-Saponin C kann das Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen hemmen. Sie verflüssigen den Schleim in den Atemwegen und erhöhen die Beweglichkeit der Flimmerhärchen in den Bronchien, so dass der Schleim besser abfließen kann.

Anerkannt ist die innerliche Anwendung von Efeublättern als Fertigarznei (z.B. Prospan) bei Katarrhen der Atemwege, bei Bronchitis und Keuchhusten. Efeuextrakte werden auch in der Kosmetikindustrie (z.B. Shampoo) verwendet. Durch den Gehalt an Jod wird Efeu auch bei einer Überfunktion der Schilddrüse eingesetzt.

Nebenwirkung:

Bei Einnahme von Fertigpräparaten nicht bekannt. Frische Efeublätter können bei direktem Kontakt hautreizend wirken. Von Teezubereitungen ist abzuraten.

Geschichtliches:

Der Efeu war bereits im Altertum als Heilpflanze bedeutend. Der Gattungsname „Hedera“ leitet sich vom griechischen „hedra“ (sitzen) ab, der Artname „helix“ bedeutet Windung, Spirale. Der deutsche Name ist germanischen Ursprungs: iwe = ewig (wegen der immergrünen Blätter).

Im alten Ägypten galt der Efeu der Osiris, bei den Griechen dem Dionysos, bei den Römern dem Bacchus heilig. Efeu stand für Heiterkeit, Vergnügung und Geselligkeit. Die Blätter wurden den Wein zugesetzt, möglicherweise um die Wirkung zu verstärken. Die Götter wurden auch mit Wein- und Efeulaub bekränzt dargestellt. Während festlicher Gelage trug man Efeukränze, um die vom Alkohol erhitzten Häupter abzukühlen.

Nach Dioskurdies sollte Efeu bei Brandwunden und Geschwüren helfen, ebenso bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Durchfall und Fieber. Wegen der Giftigkeit wurde Efeu auch als Abtreibungsmittel genutzt.

In den Kräuterbüchern des 16. Und 17. Jahrhunderts wurde berichtet, dass Efeu nur selten innerlich angewendet werde. Die mit Wein aufgekochten Blätter legte man zur Heilung auf Geschwüre und Wunden, frisch zerstoßene Blätter auf Hühneraugen.

Erst im 19. Jahrhundert wurde Efeu als Arznei gegen Husten und Bronchitis eingesetzt. Einem Arzt war aufgefallen, dass Kinder, die Schüsseln aus Efeuholz zum Trinken von Milch benutzten, nur selten Husten bekamen.

In der Erzählung von Tristan und Isolde spielt auch der Efeu eine bedeutende Rolle. Die Liebenden wurden getrennt, für ihre Liebe mit dem Tod bestraft und auf verschiedenen Seiten einer Kirche bestattet. Ihre Gräber wurden mit Efeu bepflanzt, der nach oben rankte und sich auf dem Kirchendach ineinander verschlang. So waren die Liebenden über den Tod hinaus wieder miteinander verbunden.

Auch im Aberglauben hat der Efeu eine große Bedeutung. Efeu im Haus kultiviert oder auf Gräbern gepflanzt soll Unglück bringen, auch soll die Tochter des Hauses unverheiratet bleiben. Mit einer Efeuranke auf dem Kopf soll man in der Walpurgisnacht Hexen erkennen können.

Bauernregel: Wenn der Efeu schön blüht, gibt es viel Wein.

Wegen der Saponine soll Efeu auch zum Waschen von dunkelfarbigen Textilien geeignet sein.

Pflanzenfamilie: Araliengewächse Araliaceae
Anwendungsbereich: Atemwegserkrankungen
Blütenfarbe: grün
Giftigkeit: giftig
Lebensdauer: ausdauernd