Blutwurz

Potentilla erecta

Bild 1 von 1

Aufrechtes Fingerkraut, Rotwurz, Blutkraut, Blutbrech, Ruhrwurz, Bauchwehwurz, Scheißwurz, Tormentill

Die Blutwurz gehört zur Gattung der Fingerkräuter mit etwa 300 Arten und zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist in Europa und Asien heimisch und kommt weit verbreitet, vom Flachland bis in die alpinen Regionen vor. Sie liebt sandige oder moorige Böden und kommt auf sonnigen Waldlichtungen, Heideflächen und trockenen oder feuchten Magerwiesen vor. Im Moor sind die Pflanzen klein und liegen am Boden an. Je trockener der Standort, desto höher wächst die Blutwurz. Die dünnen, verzweigten Stängel, die eine Höhe von 40 cm erreichen können, entsprießen aus einem unregelmäßig verzweigten, knotig verdickten schwarzbraunen Wurzelstock, der fast waagerecht im Boden kriecht und im Alter verholzt. Die Stängel tragen fünfzählige gefingerte Blätter mit gezacktem Rand. Am Ende sitzen bis 1 cm große gelbe Blüten mit meist vier herzförmigen Kronblättern, die zur Mitte hin orangegelb gefärbt sind. Dazwischen sind vier schmale grüne Kelchblätter zu sehen. Wenn man die Stängel bricht, färben sich diese an der Bruchstelle blutrot.

Blütezeit: Juni bis August.

Nach der Bestäubung reifen in den Blüten Nüsschen heran, die oft von Ameisen verbreitet werden. Die frische Schnittfläche des Wurzelstocks färbt sich gelblich-rötlich, später blutrot.

Verwendete Pflanzenteile:

Wurzelstöcke, die im Herbst oder Frühjahr ausgegraben, gesäubert und getrocknet werden.

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (bis 20%), Tormentillrot, Pflanzensäuren, Harz, ätherisches Öl

Heilwirkung:

Die Blutwurz ist das stärkste heimische Gerbstoffmittel. Die Gerbstoffe bilden auf den Schleimhäuten eine Schutzschicht, die Keime abhält. Sie schützen die Darmschleimhaut und mindern den Wasserverlust bei Durchfall. Zubereitungen mit Blutwurz (Teeaufguss, Tinktur) wirken entzündungshemmend und heilungsfördernd. Sie werden bei Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleischs und zum Gurgeln bei Mandelentzündungen verwendet, innerlich auch bei Magen-Darmstörungen, Blähungen und Durchfall.

Der Farbstoff Tormentillrot wirkt desinfizierend auf Viren, Pilze und Bakterien – ohne die Darmflora zu beeinträchtigen.

Nach neueren Studien soll sich auch die Colitis ulcerosa (chronische Darmentzündung) mit Blutwurzpräparaten bessern lassen.

Nebenwirkungen:

Bei Überdosierung kann es bei empfindlichen Menschen zu Magenbeschwerden kommen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Blutwurz und anderen Medikamenten können die Gerbstoffe der Blutwurz die Wirksamkeit der anderen Medikamente herabsetzen. Deshalb ist auf eine zeitversetzte Einnahme zu achten.

Blutwurz sollte nicht länger als sieben Tage innerlich oder äußerlich angewandt werden.

Geschichtliches:

Potentilla wird als Verkleinerungsform des lateinischen potentia = Macht angesehen. Man sieht in der Pflanze die Heilkraft, die im Kleinen mächtig ist.

Tormentilla officinalis, der seit dem Mittelalter gebräuchliche Apothekername, leitet sich von tormentum = Qual (Bauchgrimmen) her.

Die Droge wurde bereits seit dem Altertum genutzt und ist schon bei Hippokrates beschrieben. Auch Hildegard von Bingen kannte und nutzte die Pflanze, die als universelles Heilmittel galt und als Arzneipflanze auf vielfältige Weise eingesetzt wurde: bei Ruhr (blutigen Durchfällen), Pest, Menstruationsbeschwerden und auch bei Viehkrankheiten.

Alter Spruch: Esst Tormentill und Bibernell, so sterbt ihr nicht so schnell.

Als Pflanze der „Donnerstagskräuter“ wurde sie am Himmelfahrtstag zum Vieh in den Stall gebracht.

Mit dem intensiven Wurzelrot wurden früher Wolle und Leder gegerbt und gefärbt.

Blutwurz geriet in Vergessenheit als die Ratanhiawurzel (Krameria lappacea) aus Südamerika bekannt wurde. Deren Gerbstoffe wirken ebenfalls adstringierend. Alkoholische Auszüge aus der Wurzel werden zu Mundwasser oder Zahncreme verarbeitet und können bei Entzündungen der Mundschleimhaut und bei Halsentzündungen helfen.

Als im 1. Weltkrieg die Ratanhiawurzel nicht mehr zu bekommen war, erinnerte man sich wieder der Blutwurz.

Pflanzenfamilie: Rosengewächse Rosaceae
Anwendungsbereich: Entzündungen
Blütenfarbe: gelb
Giftigkeit: schwach giftig
Lebensdauer: ausdauernd