Stieleiche

Quercus robur

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Baum des Jahres 1989

Sommereiche, Deutsche Eiche, Augusteiche, Loheiche

Die Stieleiche gehört mit mehr als 20 europäischen Arten zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Sie ist in Europa, Nordafrika und im westlichen Asien heimisch und bevorzugt tiefgründige, nährstoffreiche, feuchte Lehm- und Tonböden in lichten Laubwäldern. Wegen der kräftigen Pfahlwurzel sind Eichen äußerst sturmfest. Der Baum wird bis zu 45 m hoch und kann ein Alter über 1000 Jahre erreichen. Die Rinde ist anfangs aschgrau und glatt, später stark rissig. Eichen erreichen einen Stammumfang von 3 m, freistehend sogar bis zu 8 m. Die eiförmigen Knospen sitzen gehäuft an den Triebenden. So können die Zweige sich gut in jede Richtung zum Licht hin ausbreiten. Die kurzgestielten Blätter sind am Rand gebuchtet. Die männlichen Blütenkätzchen sind gelblich-grün und hängen schlaff herunter. Sie erscheinen zusammen mit den Blättern an den Trieben des vorherigen Jahres. Die rundlichen weiblichen Blüten sitzen einzeln oder zu zweit auf langen behaarten Stielen. Frei stehende Eichen blühen im Alter von 50 Jahren zum ersten Mal. Etwa 40 Tage nach dem Austrieb erfolgt oft ein zweiter, der Johannistrieb, bei dem die Blätter aber oft von Mehltau befallen sind.

Blütezeit: April, Mai

Die Eicheln sind 2 bis 3 cm lang und eiförmig und sitzen im unteren Drittel in Fruchtbechern, die an langen Stielen herabhängen. Reife Früchte fallen aus den Fruchtbechern heraus und bleiben 6 Monate keimfähig. Das Eichenlaub wirkt bodenversauernd.

Die Eiche bietet Futter und Lebensraum für mehr als 500 Tierarten: Insekten, Vögel und Säugetiere. Für Nagetiere sind die Eicheln ein guter Protein- und Kohlenhydratlieferant. Der Eichelhäher sorgt durch die Anlage von Depots für die Verbreitung des Baumes.

Für Rinder und Pferde sind das Laub und die Früchte (besonders die unreifen) wegen des Gerbstoffgehalts giftig. Für Menschen können die Raupen des Eichenprozessionsspinners gefährlich werden.

Das Eichenholz ist sehr hart, dauerhaft und widerstandfähig und gut zu bearbeiten. Es wird als Bauholz, Furnier, für Parkett und Treppen genutzt. Weil es durch Feuchtigkeit nicht angegriffen wird, findet es auch beim Schiffsbau Verwendung.

Verwendete Pflanzenteile:

Die Rinde von jungen Zweigen, die vor dem Laubaustrieb im April/Mai abgeschält und getrocknet wird; die getrockneten Blätter; die von der Samenschale befreiten Samenkerne

Inhaltsstoffe: Bis zu 20% Gerbstoffe, Tannine, Harz; Flavonoide

Heilwirkung:

Auf Grund des Gerbstoffgehalts wirkt die Abkochung von Eichenrinde stark adstringierend und entzündungshemmend auf die Haut und die Schleimhäute und stopfend bei Durchfällen. Eichenrindentee eignet sich als Gurgelmittel bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum, bei Zahnfleischentzündungen und Mundfäule. Auch Schweißfüße, Frostbeulen, Hämorrhoiden und Analfissuren lassen sich damit lindern. Eichenrinde ist auch bei schlecht heilenden Wunden zu empfehlen. Die Gerbstoffe festigen die oberen Gewebeschichten, so dass Bakterien schlechter in die Haut oder Schleimhaut eindringen können.

Auch das getrocknete Eichenlaub und Zubereitungen daraus wurden früher dazu verwendet, allerdings ist der Gerbstoffgehalt geringer.

Eichenrinde wurde auch zum Gerben von Leder gebraucht.

Nebenwirkungen:

Bei äußerlicher Anwendung nicht bekannt. Bei innerlicher Anwendung können Störungen im Magen- und Darmbereich auftreten.

Geschichtliches:

Quercus ist der Name der Eiche bei den Römern. Der Baum ist dem Göttervater Zeus/Jupiter geweiht. Die Eichel, Frucht dieses Baumes gilt als eines seiner Symbole.

Der Artname robur ist lateinischer Herkunft und bedeutet „Kraft, Festigkeit“. So gilt die Eiche als Sinnbild für Standhaftigkeit und Heldentum. Eichenlaub und Eicheln zieren auch heute noch Münzen, Wappen und Rangabzeichen (Schützenwesen). Im Niedersachsenlied von Hermann Grote aus dem Jahre 1934 heißt es: „Fest wie unsere Eichen halten alle Zeit wir stand, wenn Stürme brausen übers deutsche Vaterland.“

Bei allen Völkern im Altertum standen die Eichen in hohem Ansehen, vor allem wegen ihres dauerhaften Holzes und der Früchte, mit denen in schlechten Zeiten das Mehl gestreckt wurde. Die Schweine wurden zur Mast in die Wälder getrieben, was im Sprichwort: „Auf den Eichen wächst der beste Schinken“ zum Ausdruck kommt.

Bei den Germanen, die ihre Götter im Wald verehrten, war die Eiche dem Gott Donar geweiht. Der Legende nach ließ Bonifatius, als „Apostel der Deutschen“ verehrt, das bekannte Baumheiligtum „Donareiche“ fällen, weil er es als Götzenbild ansah, ein Verstoß gegen die 10 Gebote Gottes. Damit wollte er den Germanen beweisen, dass ihr Gott nicht die Macht besitzt, den Baum zu schützen.

Eichengallen sind etwa kirschgroße Kugeln auf Blättern, die in ihrem Inneren die Larve der Eichengallwespe beherbergen. Nach dem Schlüpfen des Insekts legt dieses sofort Eier in die Knospen der Eiche. Der Baum versucht sich gegen den Angreifer zu wehren und bildet die Galle. Man nutzte sie als Färbe- und Gerbmittel.

Früher wurde aus den geschälten, klein geschnittenen Eicheln Kaffee zubereitet, indem man ihnen zuvor durch Wässern die Bitterstoffe entzogen und sie dann langsam in einer Pfanne geröstet hat.

In der griechischen Sagenwelt kommt der Eiche neben der Linde bei Philemon und Baucis eine wichtige Rolle zu. Beide Bäume stehen auf einem Hügel in der Nähe der Behausung der beiden alten Leute. In Menschengestalt wollen Göttervater Zeus und sein Sohn Hermes die Gastlichkeit der Menschen erkunden, werden aber an vielen Türen abgewiesen und finden erst in der ärmlichen Hütte bei Philemon und Baucis Unterschlupf. Die alten Leute bewirten die Gäste und wünschen sich als Dank für ihre Gastfreundschaft nur, in derselben Stunde zu sterben, weil keiner ohne den anderen sein möchte. Der Wunsch wird ihnen erfüllt, Philemon wird zur Eiche und Baucis zur Linde.

Pflanzenfamilie: Buchengewächse (Fagaceae)
Anwendungsbereich: Entzündungen im Mund- und Rachenraum
Blütenfarbe: gelb, grün
Giftigkeit: schwach giftig
Lebensdauer: mehrjährig