Hirtentäschel

Capsella bursa-pastoris

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Täschelkraut, Gänsekresse, Bauernsenf, Schneiderbeutel, Taschenkraut, Blutkraut, Säckelkraut, Herzelkraut

Das Hirtentäschelkraut ist eine ein bis zweijährige krautige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Es ist in Europa heimisch, über die ganze Erde als Kulturbegleiter verbreitet, sehr genügsam und wächst auch an ungünstigen Stellen, z.B. auf Ödland, zwischen Pflastersteinen, auf Äckern und als Unkraut in Gärten. Aus einer Wurzel, die bis zu 90 cm in die Erde wächst, bildet sich eine grundständige Rosette mit ungeteilten oder fiederspaltigen Laubblättern. Die aufrechten Stängel können verzweigt oder einfach sein und bringen fast das ganze Jahr über kleine vierzählige weiße Blüten hervor, die traubig angeordnet sind und sich meistens selbst bestäuben, aber auch von Schwebfliegen und kleinen Bienen aufgesucht werden. So finden sich an einer Pflanze gleichzeitig Knospen, die unscheinbaren Blüten und weiter unten gestielte dreieckige Kapselfrüchte, die den Taschen ähneln, die die Hirten früher bei sich trugen. In jedem Fach befinden sich zahlreiche rotbraune Samen. Diese werden durch Regenwürmer in den Boden eingearbeitet, wo sie lange keimfähig bleiben.

Verwendete Pflanzenteile:

Das Kraut, besonders die jungen Blätter der Grundrosette. Frisches Kraut riecht etwas unangenehm, der Geruch verliert sich beim Trocknen. Für die medizinische Anwendung wird das blühende Kraut während der Sommermonate geerntet und getrocknet.

Inhaltsstoffe:

Flavonoide, viel Kalium, Vitamine A, B und C, Aminosäuren, Proteine, außerdem ein Peptid, das blutstillend wirkt.

Heilwirkung:

In Laborversuchen wurde festgestellt, dass Hirtentäschel gefäßabdichtend wirkt. Äußerlich wird es bei Nasenbluten (frischen Saft auf ein Taschentuch geben und in das betreffende Nasenloch stecken) und oberflächlichen Hautverletzungen in Form einer Teekompresse verwendet.

Innerliche wird Hirtentäschel als Tee bei übermäßig starker und langer Monatsblutung, bei gutartigen Geschwülsten der Gebärmutter (Myomen) und Blutungen im Magen oder in der Blase verwendet. Hirtentäschelkraut kann rhythmische Kontraktionen der Gebärmutter auslösen und so bei Wehenschwäche helfen.

Die Volksheilkunde verwendet das Hirtentäschelkraut ebenfalls innerlich in Teemischungen als Mittel zur Blutreinigung, äußerlich zur Behandlung schlecht heilender Wunden, als Mund- und Rachendesinfektionsmittel und bei Leber- und Gallebeschwerden. Auch Altersflecken sollen mit dem Saft reduziert werden.

Mit Hirtentäschel soll der Blutdruck reguliert werden können: hoher Blutdruck wird gesenkt, niedriger Blutdruck verstärkt.

Nebenwirkungen:

Nicht bekannt. In der Schwangerschaft sollte von einer Anwendung mit Hirtentäschel abgesehen werden, da das Kraut die Gebärmutter zum Zusammenziehen anregt und die Wehen fördert.

Da der Wirkstoffgehalt von Hirtentäschelkraut schwanken kann, sind Erfolge nicht immer gesichert.

Geschichtliches:

Die Pflanze und ihre Heilwirkung waren im Altertum und im Mittelalter bekannt. Schon Hippokrates lobte die blutstillende Wirkung der Pflanze. Der deutsche Name ist die Übersetzung des lateinischen Namens, der die Form der Früchte beschreibt: capsella von capsula = Kapsel, bursa = Tasche, pastor = Hirt.

Die Kräuterbucher des 16. und 17. Jahrhunderts empfahlen das Hirtentäschel gegen Nasenbluten und starke Monatsblutungen.

Der in die Ohren geträufelte Saft sollte bei Ohrenschmerzen helfen. In der Volksheilkunde diente das Hirtentäschelkraut lange Zeit als Mutterkornersatz bei Gebärmutterblutungen. Hirtentäschel wirkt zwar schwächer als das hochgiftige Mutterkorn, wird aber besser vertragen.

Im Frühling können frische Blätter der Pflanze dem Salat beigemischt werden.

Drei Hirtentäschelpflanzen im Frühjahr zerkaut, sollen vor Krankheiten schützen.

Zahnenden Kindern wurden rotseidene Tücher mit den Samen der Pflanze umgehängt. Nach der Zahnung musste das Tuch über die Schulter in fließendes Wasser geworfen werden.

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Pflanzenfamilie: Kreuzblütler Brassicaceae
Anwendungsbereich: Blutungen
Blütenfarbe: weiß
Giftigkeit: ungiftig
Lebensdauer: zweijährig