Wegwarte

Cichorium intybus

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Blume des Jahres 2009, Gemüse des Jahres 2005

Zichorie, Wegeleuchte, Kaffeewurzel, blaue Distel, verzauberte Jungfrau, Arme-Sünder-Blume

Die Wegwarte ist an Wegrändern, Äckern, Wiesen anzutreffen. Sie ist eine ausdauernde, bis 1,40 m hohe Pflanze aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) und wächst aus einer langen, spindelförmigen bis 2 cm dicken Wurzel, die einfach oder wenig gegabelt ist. In den Wurzeln wird Inulin eingelagert. Der Stängel ist kantig, rauhaarig, und nach oben stärker verästelt. Die unteren Blätter sind fiederspaltig, nach oben einfacher bis lanzettlich. Die Pflanze enthält einen bitteren Milchsaft. Die zahlreichen blauen Blüten bestehen nur aus Zungenblüten. (Wegwarten mit weißen Blüten fehlt der Farbstoff.) Sie stehen einzeln oder zu wenigen vereint in den Blattachseln. Sie öffnen sich nur bei Sonnenschein am Vormittag für wenige Stunden. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen und Schwebfliegen. Die abgeblühten Blüten werden schnell durch neue ersetzt.

Die Wegwarte ist auch eine der Bachblüten (Chicory).

Blütezeit: Juli bis Oktober

„Die Wegwarte wartet wirklich an jedem Weg auf dich, um dich gesund zu machen“, so formulierte es Pfarrer Kneipp.

Verwendete Pflanzenteile: Wurzeln

Wirkstoffe: Inulin (18% in frischen, 50% in getrockneten Wurzeln) Gerbstoffe, Bitterstoffe

Heilwirkung:

Auf Grund des Bitterstoffgehalts wirken Teeaufguss oder Tinktur anregend auf die Magen- und Gallensaftbildung bei Verdauungsproblemen. Die Droge findet ausschließlich in der Volksmedizin Verwendung.

Teeaufguss: 2 TL Droge mit 150 ml siedendem Wasser übergießen, 10 Min ziehen lassen. Zur Verbesserung von Appetit und Verdauung jeweils 30 Min vor den Mahlzeiten 1 Tasse Tee trinken.

Wegwartenwurzel wird auch als Nahrungsergänzung verwendet.

Nebenwirkung: Nicht bekannt.

Geschichtliches:

Die Wegwarte wurde bereits von Theophrastus, Dioskurides und Plinius beschrieben. Sie war im Altertum vorwiegend Arzneipflanze, wurde auch gegessen, aber nicht sonderlich geschätzt.

Im 16. Jh. gab es neben der wild wachsenden auch eine in Gärten gezogene Kulturform, die nicht so bitter war. Hildegard von Bingen empfiehlt die Pflanze bei Heiserkeit und für eine gute Verdauung.

Bis weit in die Neuzeit galt die Wegwarte als gesundes Lebensmittel.

Seit dem 18. Jh. wurde die Wurzel vor allem als Kaffeeersatz verwendet und deshalb stellenweise feldmäßig angebaut.

Einen Durchbruch erlangte die Kaffeewurzel (Muckefuck = Mocca faux) durch die Kontinentalsperre Napoleons, weil der importierte Kaffee knapp wurde und zu teuer für die Arbeiter, die bis zu 16 Stunden arbeiten mussten.

Unter dem Kopfkissen abgelegt soll die Wegwarte der Jungfrau den künftigen Ehemann im Traum erscheinen lassen.

Pulverisiert dem Essen beigemengt soll die Wurzel vor Ehebruch bewahren und den Frauen die Geburt erleichtern.

Wegwarte soll den Träger der Pflanze unbesiegbar und unverwundbar machen.

Eine Legende besagt, die Pflanze sei eine verzauberte Prinzessin, deren Geliebter, ein junger Ritter, für einen Kreuzzug nach Jerusalem geritten und niemals zurückgekehrt sei. Jahrelang habe sie deshalb am Wegesrand gestanden und jeden Morgen wieder nach Osten ausgeschaut, um ihren Ritter irgendwo zu entdecken. Irgendwann habe der liebe Gott Erbarmen mit ihr gehabt und sie in die blaue Blume verwandelt.

Eine andere Legende berichtet, dass Jesus an einem Haus vorbeikam und die Hilfe einer Magd erbat. Diese nahm sich seiner aber nicht an, weil sie auf ihren Bräutigam wartete. Als der dann kam, fand er nur noch die Wegwarte. Erst wenn Jesus wiederkommt, soll die Magd wieder zurückverwandelt werden können.

Wetterregel: Kannst du in die blauen Augen der Wegwarte schauen, darfst du auf anhaltend Schönwetter bauen.

Vor 200 Jahren ist es Carl von Linné aufgefallen, dass bestimmte Pflanzen sich genau nach der Uhrzeit richten und sich zu bestimmten Zeiten öffnen und schließen. Er pflanzte in Uppsala eine „Blumenuhr“ und verwendete dafür neun Pflanzen. Das lebende Zifferblatt beginnt mit der Wegwarte (4-5). Es folgen Löwenzahn (5-6), Habichtskraut (6-7), die weiße Seerose (7), die Falkennelke (8), die Ringelblume (9-10).

Es schließen sich die Blüten wieder: Löwenzahn (8-10), Wegwarte (10), Gänsedistel (11-12), Ringelblume (Mittag), Habichtskraut (14), weiße Seerose (17), braunrote Taglilie (19-20).

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Pflanzenfamilie: Korbblütler Asteraceae
Anwendungsbereich: Verdauungsförderung, Kaffeeersatz
Blütenfarbe: blau
Giftigkeit: ungiftig
Lebensdauer: ausdauernd