Wacholder

Juniperus communis

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Machandel, Reckholder, Kranewitt, Quickholder, Weckholder, Räucholder, Weihrauchbaum, Lebensbaum, Feuerbaum, Stechbaum

Der Wacholder ist ein aufrechter 3 bis 12m hoher meist säulenförmiger Strauch oder Baum aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Als „Zypresse des Nordens“ ist er in Europa, Nordasien und Nordamerika heimisch, liebt offene, sonnige Gegenden und kommt in trockenen Kiefernwäldern, auf Heide- und Ödlandflächen vor, wird aber auch als Ziergehölz angepflanzt. Er wächst langsam und kann bis zu 600 Jahre alt werden.

Der Wacholder hat nadelförmige blaugrüne Blätter, die stechend spitz sind und 1 bis 1,5 cm lang werden und zu mehreren zusammen stehen. Die ganze Pflanze riecht angenehm harzig.

Der Wacholder ist zweihäusig. Die gelben männlichen Blüten stehen in kurzen Kätzchen, die grünlichen weiblichen sind unscheinbar. Sie tragen drei Fruchtblätter mit einer Samenanlage, aus der sich die fleischigen Beerenzapfen bilden.

Blütezeit: April, Mai

Die Beeren benötigen drei Jahre bis zur Reife. Sie sind kugelrund, bis 8 mm groß, zuerst grün, dann blauschwarz und schmecken würzig, süßlich und etwas bitter. Wegen der spitzen Nadeln ist das Pflücken sehr schwierig. Bis auf die Beeren ist die Pflanze unter Naturschutz gestellt.

Verwendete Pflanzenteile: Die Früchte und das daraus gewonnene Öl

Inhaltsstoffe: Ätherisches Öl, Gerbstoffe, Flavonoide, Harz

Heilwirkung:

Das ätherische Öl der Beeren stärkt die Verdauungsorgane und fördert die Durchspülung von Niere und Harnwegen. Sie können bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung helfen. Wissenschaftlich anerkannt ist die Verwendung der Beeren bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen und Krämpfen im Magen-Darm-Trakt. Volksheilkundlich wird Wacholder für viele Leiden und Beschwerden verwendet. Äußerlich angewandt fördert das Öl die Durchblutung und wird bei Rheuma und Gicht eingesetzt. Auch Erkältungskrankheiten und Hautprobleme (Psoriasis) sollen sich mit Wacholderöl bessern lassen.

Nebenwirkungen:

Bei empfindlichen Personen kann es zu Übelkeit und Magenschmerzen kommen. Längere Anwendung oder zu hoher Dosierung kann zu Nierenschäden führen. In der Schwangerschaft ist vom Gebrauch der Wacholderbeeren abzusehen.

Geschichtliches:

Der Gattungsname soll aus dem Lateinischen abgeleitet sein: von „junior“ (der Jüngere) und „pario“ (erscheine); damit wird auf die Besonderheit verwiesen, dass die jüngeren Früchte bereits wachsen, während die älteren schwarzen noch am Strauch hängen. „Communis“ bedeutet gewöhnlich.

Der Name Wacholder (= lebensfrisch, immergrün) stammt aus dem Althochdeutschen. Ein Wacholderzweig unter dem Hut soll vor Ermüdung bewahren.

Der Wacholder stand bei den Germanen in hohem Ansehen (Vor dem Wacholder gehe in die Knie!) und spielte in der Volksmedizin eine große Rolle. Im Mittelalter wurde er vorbeugend gegen die Pest eingesetzt. Die Kräuterbücher des 16. Und 17. Jahrhunderts empfahlen ihn als schweiß- und harntreibendes Mittel und zur Verdauungsförderung und Magenstärkung.

Pfarrer Kneipp empfahl folgende Anwendung als Kur: dreimal täglich wird zuerst eine Beere zerkaut. Man steigert täglich um je eine Beere, bis man dreimal 15 Beeren pro Tag zu sich nimmt. Danach nimmt man täglich jedes Mal eine Beere weniger, bis man wieder bei dreimal täglich eine Beere ankommt.

Wacholderbeeren werden zur Aromatisierung von alkoholischen Getränken (Gin, Genever, Steinhäger) genutzt. Wegen der keimhemmenden Wirkung der ätherischen Öle wird Wacholder auch beim Räuchern verwendet.

Holz und Zweige des Wacholders standen im Ruf böse Geister zu vertreiben. Zweige wurden dafür in Viehställen angebracht und Krankenzimmer mit glühenden Scheiten ausgeräuchert.

Der Wacholder galt auch als Todesbaum, in dem sich die Seelen der Verstorbenen versteckten und durch bestimmte Umstände wieder zum Leben zurückkehrten.

Pflanzenfamilie: Zypressengewächse Cupressaceae
Anwendungsbereich: Verdauungsbeschwerden, Gewürz
Blütenfarbe: gelb, grün
Giftigkeit: ungiftig
Lebensdauer: ausdauernd