Roter Fingerhut

Digitalis purpurea

Bild 1 von 2

  • © AK Natur Stadtmarketing Lehrte
    © AK Natur Stadtmarketing Lehrte
  • © AK Natur Stadtmarketing Lehrte
    © AK Natur Stadtmarketing Lehrte

Giftpflanze des Jahres 2007

Waldglocke, Waldschelle, Fuchskraut, Unserer-lieben-Frauen-Handschuh

Der Rote Fingerhut ist in vielen unserer Mittelgebirge heimisch. Er bevorzugt kalkfreie Bergwälder und kommt häufig auf Kahlschlägen vor. Darüber hinaus wird er als Zierpflanze in den Hausgärten kultiviert.

Er ist eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae). Im ersten Jahr bildet sich aus einer verästelten Pfahlwurzel eine Blattrosette, deren Blätter auch im Winter grün bleiben. Im zweiten Jahr wächst daraus ein bis 200 cm hoher aufrechter Stängel, an dessen Spitze viele purpurfarbenen Blüten in einem traubigen Blütenstand zusammen stehen. Die Blüten wenden sich immer dem Licht zu und sind schräg abwärts nach einer Seite gerichtet sind. Die Blütenblätter sind zu einer fingerähnlichen Krone verwachsen, die die innen gefleckt und behaart ist. Durch die Haare wird kleineren Insekten der Eingang zur Blüte verwehrt. Gewöhnlich besuchen nur Hummeln die Blüten, wobei der untere Teil der Blüte als Landplattform dient.

Blütezeit: Juni bis August

Verwendete Pflanzenteile: Blätter

Inhaltsstoffe: Zahlreiche Glykoside

„Der rote Fingerhut ist eine er stärksten Giftpflanzen unserer heimischen Pflanzenwelt. Jede Selbstbehandlung ist strengsten verboten!“ (aus: M. Pahlow: Das große Buch der Heilpflanzen, S. 134). Vergiftungen zeigen sich durch unregelmäßigen Puls, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Heilwirkung:

Arzneimittel, die Wirkstoffe des roten Fingerhuts enthalten, sind die klassischen Herzmittel. Durch die Glykoside wird die Herzmuskulatur gekräftigt und die Herztätigkeit reguliert. Dadurch wird auch der Blutkreislauf verbessert. Digitalis bewirkt auch eine bessere Durchblutung der Nieren, so dass die Wasserausscheidung unterstützt wird und Ödeme verschwinden.

Nebenwirkungen:

Bereits der Verzehr von zwei Blättern der Pflanze kann tödlich sein. Auf Grund des bitteren Geschmacks kommt es aber nur selten zu Vergiftungen. Präparate des roten Fingerhuts dürfen nur auf ärztliche Anordnung angewandt werden. Eine ständige Überwachung ist unbedingt erforderlich.

Der Rote Fingerhut ist auch für viele unserer Haustiere giftig.

Geschichtliches:

Der Name „digitalis“ leitet sich vom lateinischen „digitus“ = Finger ab und beschreibt die Form der Blüte.

Schon vor Jahrhunderten gebrauchte man den Roten Fingerhut in Irland und Großbritannien als Heilpflanze. Ein Arzneibuch des 13. Jahrhunderts aus Südwales erwähnt als Anwendungsgebiete Geschwülste des Unterleibs, Abszesse und Kopfschmerzen. Wegen der Verwendung von zu großen Mengen der Droge kam es aber zu Vergiftungen, so dass man die Anwendung bald aufgab.

Erst 1785 entdeckte der englische Arzt William Withering (1741 – 1799), der die Blätter des roten Fingerhuts erfolgreich bei Wassersucht wegen Herzschwäche eingesetzt hatte, dass eine Heilwirkung ohne schädliche oder unangenehme Nebenwirkungen bei Digitalis nur gegeben ist, wenn kleinste Mengen verabreicht werden. So fand der rote Fingerhut Eingang in die Heilkunde.

Zur Herstellung von Medikamenten werden die Herzglykoside vorwiegend aus dem Wolligen Fingerhut (Digitalis lanata) gewonnen. Dieser soll mehr Wirkstoffe enthalten, die auch besser zu isolieren sind.

© AK Natur Stadtmarketing Lehrte
© AK Natur Stadtmarketing Lehrte
© AK Natur Stadtmarketing Lehrte
© AK Natur Stadtmarketing Lehrte
Pflanzenfamilie: Rachenblütler Scrophulariaceae
Anwendungsbereich: Herzerkrankungen
Blütenfarbe: rot
Giftigkeit: tödlich giftig
Lebensdauer: zweijährig