Rosskastanie

Aesculus hippocastanum

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Baum des Jahres 2005, Arzneipflanze 2008

Pferdekastanie, Wilde Kastanie, Säukestene, Foppkastanie, Judenkest

Die Rosskastanie gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Die Gattung umfasst 13 Arten und ist in Südosteuropa, Nordamerika und Ostasien heimisch. Die Rosskastanie ist ein Flachwurzler mit weitreichendem Wurzelwerk. Sie wird gern in Parks und Alleen gepflanzt, erreicht ein Alter bis zu 200 Jahren und wird bis zu 30 m hoch. Schon im Herbst fallen die sehr großen, klebrigen braunen Knospen auf, aus denen im Frühjahr die Blätter und Blüten hervor treiben. Die Blätter mit gekerbten oder gesägten Blatträndern sind zusammengesetzt (meist 7 Teilblätter). Die Blüten sind cremig-weiß mit einem gelben Fleck, der später karminrot wird. Sie stehen in aufrechten pyramidenförmigen Blütenständen und sind eine gute Bienenweide.

Blütezeit: Mai bis Juni

Die glänzend rotbraunen Samen, die einen weißlichen Nabelfleck haben, entwickeln sich in einer grünen, stacheligen und meist dreifächerigen Kapsel. Die Oberfläche der Früchte weist baumartige Ringe auf, was sie wie poliertes Holz aussehen lässt. Sie sind für Rehe ein gutes Winterfutter. Alle Teile der Rosskastanie sind schwach giftig.

Das Holz des Baumes wird zu Furnieren verwendet, hat aber in der Forstwirtschaft keine wirtschaftliche Bedeutung.

Verwendete Pflanzenteile: Samen, Blätter, Rinde, Öl (das bei Extraktion der geschälten Samen anfällt),

Inhaltsstoffe: Aescin, (ein Gemisch aus 30 verschiedenen Saponinverbindungen), Gerbstoffe, Bitterstoffe ,Flavonoide

Heilwirkung:

Innerlich angewendet kann die Rosskastanie die Venenwände abdichten. Deshalb werden Extrakte, die aus den Samen hergestellt werden, bei Erkrankungen der Venen (Venenentzündungen, Krampfadern, Ödeme, Hämorrhoiden), zur Vorbeugung von Thrombose und bei peripheren Durchblutungsstörungen eingesetzt. Rosskastanie wirkt entzündungshemmend und juckreizstillend auf die Haut. Volksheilkundlich werden die Blüten auch gegen Rheuma, Gicht, Blutergüsse und Verstauchungen eingesetzt. Die Rinde wird als Adstringens und in der Technik als Gerbmittel genutzt.

Aus den frischen geschälten Samen werden homöopathische Arzneimittel hergestellt.

Nebenwirkungen:

Auch bei langer Anwendung sind Rosskastanienprodukte meist ohne Nebenwirkungen. Wenn Kinder die Samen verzehren, kann es zu einer Saponinvergiftung kommen.

Geschichtliches:

Die Herkunft des deutschen Namens „Rosskastanie“ wird unterschiedlich erklärt. Türkische Soldaten sollen ihre an Husten erkrankten Pferde mit Kastanien gefüttert und die Früchte auch auf Feldzügen mitgeführt haben, was zur Namensgebung führte.

Zum anderen sollen die für die menschliche Ernährung ungeeigneten Früchte gegenüber der Edelkastanie(Castanea sativa), die nicht mit der Rosskastanie verwandt ist, als minderwertig gekennzeichnet werden.

Die letzte Eiszeit hatte die Rosskastanie aus Mitteleuropa verdrängt, deshalb war sie den antiken Autoren nicht bekannt. 1575 kam die Rosskastanie als Zierbaum nach Wien und verbreitete sich von dort über ganz Europa.

Wegen der Saponine lassen sich die zerkleinerten Früchte als Waschmittel verwenden. Die Waschkraft soll der Indischen Waschnuss ähnlich sein. Zerkleinerte Rosskastanien können 2 – 3mal zum Waschen genutzt werden, wobei der Saponingehalt jedes Mal abnimmt. Die Rosskastanie ist sehr ergiebig: 1 kg Rosskastanienpulver ersetzt etwa 8 kg herkömmliches Waschmittel.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Samen chemisch untersucht. Angeregt durch die Verwendung in der Volksheilkunde bereitete ein französischer Arzt eine Tinktur, die sich als sehr wirksam erwies zur Behandlung von Hämorrhoiden. Später erkannte man die positive Wirkung auf das ganze Gefäßsystem, besonders auf die Venen.

Seit einigen Jahren (1984 erstmals beobachtet) werden die Kastanienbäume durch die Rosskastanien-Miniermotte, einem Kleinschmetterling, dessen Raupen und Puppen sich fast ausschließlich in den Blättern entwickeln und mit ihren Fraßgängen die Blätter zerstören, geschädigt. Dadurch reduziert sich die Blattfläche. So kann der Baum durch Photosynthese nicht mehr genügend Kohlenhydrate bilden, was zu einer chronischen Unterversorgung führt.

Kastanien mit roten Blüten sind weitgehend resistent gegen den Schädling.

Die Bekämpfung ist schwierig. Es empfiehlt sich, das Laub aufzusammeln und zu vernichten (nicht im Kompost oder Müll).

Im 2. Weltkrieg wurden wegen der Lebensmittel-Rationierungen auch Kastanien geröstet und zu bitterem Kaffee-Ersatz verwendet.

Aberglaube: Drei Kastanien in der Tasche wehren Krankheiten ab.

Pflanzenfamilie: Seifenbaumgewächse Sapindaceae
Anwendungsbereich: Venenerkrankungen
Blütenfarbe: Cremig-Weiß
Giftigkeit: ungiftig
Lebensdauer: mehrjährig