Rizinus

Ricinus communis

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Christuspalme, Hundsbaum, Läusebaum, Wunderbaum (wegen des schnellen Wachstums)

Rizinus ist eine einjährige Pflanze aus der Familie der Wolfsmilchgewächse, die in den Tropen auch mehrjährig wächst. Sie wird bis 2,50 m, unter idealen Bedingungen innerhalb von 3 bis 4 Monaten auch bis 5 m hoch. Die Pflanze bildet große, grüne oder braunrote handförmig gelappte Blätter (Palma Christi = Christushand, die Blätter wurden mit der gespreizten Hand verglichen). Die Botaniker des 16. Jahrhunderts sahen das Wunderliche nur im äußeren Erscheinungsbild.

Die Blüten stehen in rispenartigen Blütenständen. Im Blütenstand befinden sich im unteren Teil büschelig gehäuft die männlichen und im oberen Teil die fast ungestielten weiblichen Blüten. Die Frucht ist eine rotbraune mit weichen Stacheln besetzte dreifächerige Kapsel mit 1 bis 2 cm langen bohnenartigen weiß und braun gefleckten Samen, die an eine vollgesaugte Zecke erinnern.

Blütezeit: Juli bis Oktober

Bei uns ist Rizinus eine beliebte Zierpflanze, die wahrscheinlich im tropischen Afrika heimisch ist und in einigen südlichen Bundesstaaten der USA als Neophyt behandelt wird.

Verwendete Pflanzenteile:

Samen

Wirkstoffe:

Das Rizinusöl ist zu 45 bis 50 % in den reifen Samen enthalten und wird durch Kaltpressung aus den geschälten Samen gewonnen. Die Samenschalen sind sehr giftig, sie enthalten Rizin. Rizin ist eines der potentesten natürlichen Gifte und leicht herstellbar. Eine Menge von 0,25 mg (wenige Samen) kann tödlich wirken. Der Tod tritt durch Kreislaufversagen ein, es ist kein Gegengift bekannt. Bei der Kaltpressung gelangt es nur in Spuren in das Öl und wird durch Wasserdampfbehandlung vollständig zerstört.

Vermischt mit Methanol wird Rizin auch zur Schmierung von Verbrennungsmotoren im Modellbau genutzt.

Heilwirkung:

Nach Einnahme von 10 bis 30 ml Rizinusöl wird die Darmschleimhaut durch die Rizinolsäure zur Peristaltik (Darmbewegung) und zum Stuhlgang angeregt. Der restliche Anteil des Öls wirkt als Gleitmittel. Die Wirkung tritt meist nach 2-4 Stunden ein. Das Rizinusöl wird als Abführmittel bei akuter Stuhlverstopfung angewendet.

Äußerlich wird Rizinusöl zur Behandlung von Warzen verwendet. Auch hautpflegenden Kosmetika (Lippenstifte, Shampoo) werden mit Rizinusöl hergestellt.

Nebenwirkung:

Bei üblicher Dosierung nicht bekannt. Rizinusöl aus der Apotheke ist ungefährlich und ohne Nebenwirkungen.

Geschichtliches:

Auf Grund des ölreichen Samens wurde die Pflanze schon vor sehr langer Zeit in Ägypten und Vorderasien kultiviert. Die Samen wurden in Ägyptischen Gräbern gefunden und im Papyrus Ebers (um 1552 v. Chr.) bezeugt.

Das Rizinusöl diente vor allem als Brennöl und zur Herstellung von Salben.

Auch im alten Griechenland wurde die Pflanze zur Ölgewinnung angebaut. Die zerstoßenen Samen dienten als Abführmittel.

Nach Deutschland gelangte Rizinus erst in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde bald überall in den Gärten angepflanzt.

Die Ärzte und Mönche der Klosterheilkunde verwendeten Rizinus als „Purgiermittel“, als Mittel zur inneren Reinigung. Diese hatte im Mittelalter und in der frühen Neuzeit einen besonderen Stellenwert, weil man hoffte, durch die Reinigung mit starken Abführmitteln den Körper von Krankheitsstoffen zu befreien.

Rizin wurde auch als „Bio-Waffe“ genutzt: 1978 gab es ein Regenschirm-Attentat, bei dem das Opfer (der bulgarische Journalist und Dissident Georgi Markow) in London von bulgarischen Geheimdienstagenten mit 40 Mikrogramm des Toxins, das sich in der Spitze eines Regenschirms in einer 1,52 mm großen Kugel befand, in den Unterschenkel gestochen und vergiftet wurde, so dass es kurz danach verstarb.

Wegen der wachstumshemmenden Wirkung des Rizins auf Krebszellen wird eine Verwendung in der Tumor-Therapie geprüft.

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Pflanzenfamilie: Wolfsmilchgewächse Euphorbiaceae
Anwendungsbereich: Abführmittel
Blütenfarbe: rot
Giftigkeit: tödlich giftig
Lebensdauer: einjährig