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Am Brink - Brinkplatz

Brinkplatz

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  • © AK Natur erleben Stadtmarketing Lehrte
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Der Bahnhof verändert das Leben im Dorf

Der Brink, auch Anger genannt, ist der unbebaute Mittelpunkt einer beginnenden Ansiedlung. Rund um diese freie Grünfläche wurde mit dem Bau von Häusern, Ställen und Scheunen begonnen. Bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christi-Geburt soll die Dorfstätte Lehrte (Lereth) entstanden sein, wenn sie auch erst 1147 urkundlich erwähnt wurde. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Lehrte zu einem reinen Bauerndorf. In dieser Zeit fiel die erste Flurbereinigung oder Verkoppelung, die zu lebensfähigen Bauernhöfen führte. Es gab 65½ Reihestellen. Eine Reihestelle hat Anteile nicht verkoppelter Fläche wie Wald und Sandgruben. Reihestellenbesitzer ist heute, neben Bauern, auch die Kirche. In der heutigen Zeit (2012) sind 53 Reihestellen erhalten, die im Besitz von 35 Eigentümern sind. Zusammengefasst wird das Gemeineigentum in der bis heute erhaltenen Realgemeinde (Realverband). Der älteste Stadtteil in Lehrte ist also <<das Dorf>> mit dem Brink in seiner Mitte. Es ist die Gegend um die <<Alte Kirche>>, die heutige Nikolauskirche und den Lindenberg. Die Hauptstraßen sind die Osterstraße, Hagenstraße und Mühlenstraße (heute Marktstraße). Der Lehrter Bach ist die Grenze zwischen Dorf und Stadt. Bis heute ist der dörfliche Charakter dieses Stadtteils erhalten geblieben, da viele Bauernhöfe mit ihrer 100-jährigen gut gepflegten Bausubstanz das Dorfbild prägen. Hofstellen von auffallender Größe sind die bis ins unsere Zeit erhaltenen vier Meierhöfe. Es sind die Höfe Karl Behrens (bewirtschaftet von Uwe Behre), Heinrich Molsen (Hans-Henning Molsen), Heinrich Baxmann und Fritz Rust (Jürgen Rust).

Seit 1667 verzeichnet man im Erbenregister 73 Hofstellen, die mit Brandkatasternummer versehen sind. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieben diese Höfe fast alle erhalten. Die Bevölkerung war beruflich einheitlich auf Landwirtschaft ausgerichtet. Die Kirche war Mittelpunkt des geistigen Lebens. Seit etwa 1530 waren die Dorfbewohner evangelisch-lutherisch.

Der Bau der Eisenbahn im Jahre 1843 wurde bestimmend für das weitere Schicksal des Dorfes. Zwar blieb das Dorfbild erhalten, da der Bahnhof <<außerhalb>> gebaut wurde, aber der Ort wurde durch den Häuserbau rund um den neuen Bahnhof schnell größer. Viele Menschen siedelten sich an, da es hier Arbeit, Lohn und Brot gab. Lehrte war plötzlich nicht länger ein Bauerndorf. Von 1843 bis 1898 geschah mehr in Lehrte als in den 700 Jahren zuvor. Es entstanden bedeutende Industrieunternehmen wie Ziegelei, Zementfabrik und Zuckerfabrik. Lehrte war mit 5000 Einwohnern zur Stadt geworden – zur <<Eisenbahnstadt>>.

Zum Glück für den Charakter des Dorfes Lehrte war ein Zentrum rund um den Bahnhof entstanden. Mit dem ausschließlich dörflichen Leben aber war es in Lehrte vorbei. In der <<Alten Kirche>> reichten sonntags nicht mehr die Plätze, weil auch die Zugezogenen Ansprüche anmeldeten. Die Bauern verloren Arbeitskräfte an Bahn und Industrie. In der Landwirtschaft setzte ein rasanter Strukturwandel ein. Aus den 73 Hofstellen des Jahres 1667 wurden durch Verkauf, Verpachtung und Betriebsaufgabe 25 Hofstellen bis zum Jahr 2011. Sie werden von nur noch 13 Betriebsleitern bewirtschaftet. Aber auch das ist noch nicht das Ende dieses Wandels.

Der Brink indes ist Kern des Dorfes Lehrte geblieben. Er wird gut gepflegt und geschichtsbewusst erhalten.

von Heinrich Klußmann
Quelle: "Erinnerungstafeln in Lehrte"
Herausgegeben von der Volksbank Lehrte-Stiftung

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