Herbstzeitlose

Colchicum autumnale

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  • © AK "Stadt und Natur erleben" Stadtmarketing Lehrte (ms)
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  • © AK "Stadt und Natur erleben" Stadtmarketing Lehrte (ms). Aufnahme Anfang April
    © AK "Stadt und Natur erleben" Stadtmarketing Lehrte (ms). Aufnahme Anfang April

Wiesensafran, Giftkrokus, Teufelswurz, Herbstblume, Hennengift, Nackte Jungfer, Spinnblume, Wiesenlilie, Wiesensafran

Die Herbstzeitlose ist eine tödlich giftige Pflanze, die zu den Zeitlosengewächsen (Colchicaceae) gehört.

Sie ist in Mittel-, Süd- und Westeuropa und in Nordafrika heimisch und kommt auf nährstoffreichen feuchten Wiesen besonders in Berggegenden vor. Sie ist ein Geophyt, d.h. dass Pflanzenteile, die ungünstige Jahreszeiten überdauern, unterirdisch liegen. Während des Winters wird die ursprüngliche Sprossknolle abgebaut und drüber eine neue angelegt. Gleichzeitig wächst der Seitenspross zu einer neuen Knolle heran.

In der Blütenform ähnelt die Herbstzeitlose dem Krokus. Die rosafarbenen Blüten mit sechs Blütenblättern, die zu trichterförmigen Kronröhren verwachsen sind, erscheinen ab August, sobald die Nächte länger werden als die Tage. Eine Bestäubung durch Insekten ist nicht erforderlich, weil sich die Pflanze selbst bestäubt. Die Befruchtung erfolgt erst zur Wintersonnenwende.

Im Frühjahr treibt die Pflanze aus der bis 7 cm langen braunschuppigen Knolle breite lanzettliche Blätter, die im Frühsommer welken und sich in die Erde zurückziehen. Die Frucht – eine eiförmige Kapsel mit zahlreichen kleinen schwarzbraunen Samen, die in den Monaten Juni/Juli reifen - wird erst zur Reifezeit im Frühsommer mit den Blättern über die Erde geschoben.

Verwendete Pflanzenteile:

Samen und Knolle (Zwiebel); die Früchte werden im Juni/Juli abgeschnitten und im Schatten getrocknet. Die Samen sind schwärzlich-braun, kugelig und 1 bis 3 mm dick.

Inhaltsstoffe:

In allen Teilen der Pflanze sind etwa 20 Alkaloide enthalten. Das bedeutendste ist das Alkaloid Colchicin, ein Zellgift, das entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt und die Vermehrung rasch wachsender Zellen bremst oder zum Stillstand bringt. Es soll in der Knolle nur vor der Samenreife enthalten sein und in den Samen in konstanter Menge von 0,3 bis 0,5% vorkommen. Der höchste Gehalt an Gift ist in der Blüte (bis 1,8%). Auch in getrockneten Pflanzenteilen bleibt das Alkaloid erhalten.

Innerlich eingenommen kann bereits die Menge von 5g der Samen - etwa 5 Samenkörner - (1,2 bis 1,5 g für Kinder) tödlich wirken.

Heilwirkung:

Zubereitungen aus der Pflanze dienten seit alten Zeiten als Gichtmittel. Colchicin wirkt zuverlässig beim akuten Gichtanfall. Es hemmt die Vermehrung von Zellen, so dass es früher in der Krebstherapie eingesetzt wurde. Wegen der heftigen Nebenwirkungen hat man diese Therapieform aber wieder aufgegeben.

Nebenwirkungen:

Das Gift der Herbstzeitlose wirkt langsam und ist deshalb besonders heimtückisch. Erst nach einem Tag beginnt ein Brennen im Hals und in der Speiseröhre, dann folgen Erbrechen, Durchfälle und Krämpfe. Schließlich folgen Kreislaufversagen und Atemlähmung.

Bereits das Pflücken der Blüten kann für Kinder zu Vergiftungserscheinungen führen, die aber erst mit Verzögerung eintreten. Die Herbstzeitlose ist auch für viele heimische Tiere giftig.

Geschichtliches:

Der Gattungsname Colchicum geht auf Colchis, eine Landschaft an der Ostküste des Schwarzen Meeres zurück, der Heimat der Giftmischerin Medea aus der griechischen Mythologie.

Im Volksglauben galt die Herbstzeitlose als giftiges Hexenkraut. In der Walpurgisnacht sollen die Hexen auf die Wiesen gegangen sein, um aus den Blüten und Blättern einen Salat zuzubereiten, mit dem sie Menschen und Tiere vergifteten.

Die deutsche Bezeichnung und der Artname weisen auf die Blütezeit im Herbst hin. Auf Grund der Blütezeit im Herbst galt die Herbstzeitlose als Ankündigerin des Winters.

Dioskurides beschrieb eine in Griechenland vorkommende Colchicumart als gefährliche Giftpflanze und warnte vor der Verwechslung mit der Küchenzwiebel.

Karl der Große soll durch das Samenpulver der Herbstzeitlose von Hautkrebs geheilt worden sein.

In den Wintermonaten gehörte das Spinnen und Weben zu den Tätigkeiten der Frauen auf den Bauernhöfen. Gegen die feinen Hautrisse, die dabei an den Händen auftraten, half das „Spinnblumenfett“. Dazu wurden die Blüten der Herbstzeitlose in Ziegenschmalz zu einer Salbe gekocht. Diese heilte die Hautrisse, milderte auch das Steifwerden der Finger.

Das Colchicin wird verwendet um Zuchtpflanzen (z.B. Weizen, Erdbeeren) ertragreicher zu machen. Colchicin verhindert die Zellteilung, so werden Zellen mit doppeltem Chromosomensatz gebildet, jede einzelne Zelle wird größer.

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© AK "Stadt und Natur erleben" Stadtmarketing Lehrte (ms). Aufnahme Anfang April
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Pflanzenfamilie: Zeitlosengewächse Colchicacea
Anwendungsbereich: Gicht
Blütenfarbe: rot
Giftigkeit: tödlich giftig
Lebensdauer: ausdauernd